Kommunikation ist... Beziehung

Man könnte auch sagen: Kommunikation ist Gemeinschaft. Paul Watzlawicks Feststellung „Man kann nicht nicht kommunzieren" gilt vielleicht nicht ganz für jeden – man kann auch als Eremit in der Wüste leben: allein. Aber der Rest der Menschheit lebt in Beziehungen. Und von ihnen.

„Ohne" geht einfach nicht. Das zeigt die Corona-Krise dramatisch. Die Verringerung von Beziehungen ist ein Kernproblem – oder präziser: die Verringerung von deren Ausübung.

 

Mit allen fünf Sinnen

 

Auf Dauer ist es schwierig, Beziehungen nur virtuell zu leben, im digitalen Raum. Beziehungen wollen „echt" gelebt werden, mit allen unseren Sinnen – oder mit fast allen:

  • Wir wollen Menschen faktisch vor uns sehen, nicht nur am Bildschirm...
  • ...und vis-à-vis mit ihnen sprechen, sie hören: nicht nur technisch übertragen.
  • Wir wollen ihre Nähe spüren, nicht nur im übertragenen Sinne, wir wollen sie berühren: Haptik ist ein wichtiger, oft unterschätzter (und in der westlichen Zivilisation manchmal unterentwickelter) Sinn.
  • Wir wollen Menschen auch riechen – selbst wenn dieser Sinn oft manipuliert wird.

Und der fünfte Sinn, das Schmecken? Na, das Essen und Trinken in Gemeinschaft ist in der Tiefe des emotionalen Erlebens und dessen Bedeutung für unser Seelen-Leben gar nicht zu unterschätzen – auch wenn wir nicht den Mitmenschen selbst schmecken: Wir schmecken förmlich die Gemeinschaft.

 

Homo communis...

 

Dass der Mensch ein Gemeinschafts-Tier ist, gilt als eine der ältesten Erkenntnisse der Welt. Corona hat, abgesehen von der Gesundheits-Bedrohung selbst, diesbezüglich die härtesten Belastungen gebracht. Die Einschränkungen im Gemeinschaftsleben gehen sehr, sehr tief. Die wirtschaftlichen Belastungen sollen nicht verniedlicht werden, finden aber auf einem sehr hohen Wohlstandsniveau statt, auf dem die meisten von uns in der westlichen Welt leben.

 

Die Lockerung der Corona-Beschränkungen müssen daher in erster Linie die Möglichkeiten von Gemeinschaft betreffen: für Kinder und Jugendliche, wieder zusammen zu spielen, zu lernen, Sport zu treiben (statt die Bundesliga-Glotz- und Geldmaschine wieder anzuwerfen), für Ältere, wieder mit Jüngeren zusammenzutreffen, und für uns alle: wieder gemeinsam zu essen und zu trinken.

 

...und communicationis

 

Abgesehen von den wenigen Verknappungen, die wir schnell in den Griff gekriegt haben (Nudeln und Klopapier), geht es also wieder um Kommunikation: Gemeinschaft zu haben, miteinander zu lachen, zu weinen, auch zu streiten... Sich aneinander zu freuen – und zu reiben. Nähe zu spüren und auch Abweichungen: sich dadurch selbst zu erleben.

 

Den Konzepten von „homo faber" und „homo ludens" (dem arbeitenden und spielenden Menschen) steht ein weiteres zur Seite: Der Mensch in Beziehungen, die gelebt werden wollen. Das geht auf Dauer nicht allein virtuell. Und auch, wenn Kommunikation und Beziehung zu Konflikten führen und der Hilfe bedürfen (können): besser mit Macken, menschlich, als ohne. Ohne geht einfach nicht.

 

 

ri/eb