Zaudern vs. Risiko: Fehler! Machen!

Während die Deutschen mit dem 0:2 gegen Südkorea ihr WM-Aus besiegelten, staunte ein Amerikaner beim Public Viewing: "It looks like they are hesitating." Die Bewegungen zeigten: Die Spieler zögerten, zauderten - und verzagten. Wovor? Vor dem Ausscheiden?  

 

Vieles spricht dafür, dass eine tiefer sitzende Angst das Team peinigte: die Angst vor Fehlern generell. Auch auf diesem Feld gibt es eine verblüffende Parallele zwischen Sport und Wirtschaft.

 

Sport sollte erziehen...

 

Dem Sport scheint die Erziehungsfunktion, die er mal hatte, genommen. Das wäre kein Wunder angesichts des massiven Einflusses, den Politik und Wirtschaft auf ihn ausüben. Fehler werden bei uns "aus einem einfachen Grund" als Karrierekiller angesehen, so Carsten Rath in der "Welt": "Weil sie es sind."

(https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article178370014/Unternehmensfuehrung-Deutschland-braucht-eine-neue-Fehlerkultur.html)

 

"Aus Fehlern wird man klug"

 

Das alte Sprichwort, demzufolge Fehler lehrreich - also wertvoll - sind, gilt hier offenbar nicht mehr. Statt sich zu ihnen zu bekennen, so Rath, würden Fehler immer mehr verleugnet. Der Grundirrtum dabei: Fehler würden mit Fehlverhalten verwechselt. Nur letzteres habe mit "Schuld" zu tun, und nur letzteres gehöre sanktioniert. Fehler jedoch seien die Basis, auf der das Silicon Valley beruhe: für Innovation, Inspiration und Kreativität.

 

Fehlerkultur einführen

 

Ein Kulturwandel ist vonnöten: Man muss Fehler machen dürfen und sich dazu bekennen. Mehr noch: Das Lernen muss kommuniziert werden. Und dies muss - wie jede maßgebliche Änderung - in Hierarchien oben beginnen.

 

Wer sollte in einem Team Verantwortung übernehmen (wollen), wenn der Fehler einem Harakiri nahekommt? Wie sollte sich ein Team aufbauen, wenn Fehler negativ behaftet sind? Wie sollte Integration, wie Veränderung möglich sein? Was wäre Leadership, und woraus sollten Motivation, mentale Stärke oder Stress-Resilienz wachsen? "Kreativität und Mut zum Risiko - das sind die entscheidenen Erfolgsfaktoren", sagte jüngst Bert Habets, CEO der RTL Group, im FAZ-Gespräch.

(http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/gespraech-rtl-group-chef-bert-habets-angriff-auf-netflix-15657020.html)

 

Jogi Löws Truppe, die so viel Ängstlichkeit ausstrahlte, hätte Managern und Politikern gedient, wenn die den Misserfolg zum Anlass für eine neue Fehlerkultur nähmen. Das erfordert Zeit und Kraft - und oft einen guten Coach. Wir sollten damit anfangen.

 

 

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Unsere KarriereLoft-Leistungen:

 

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